Dezember 2015

Ich bin so stolz auf mich. Die letzten Modenschauen sind absolviert und es war toll!!!!

Alle freuen sich mit mir! Und ich hatte wirklich Angst, dass ich eventuell „zuviel“ bin. Nicht körperlich, sondern im Allgemeinen. So eine Schwangere in Dessous sieht doch vielleicht etwas komisch aus. Und die Badeanzüge spannen schon gewaltig über so einem Schwangerschaftsbauch in der 20. Woche. Aber all meine Befürchtungen haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Jetzt bin ich wirklich so richtig offiziell für alle sichtbar schwanger. Und die Frauen im Publikum konnten gar nicht genug bekommen. Optisch und Haptisch! Mein Bauch wurde noch nie so nett wahrgenommen. Er ist aber wirklich nicht mehr zu übersehen und auf dem Rückweg von Dresden nach Hannover bietet mir doch tatsächlich ein Mann Hilfe beim Koffertragen an. Was habe ich mir das in den letzten Jahren gewünscht. Immer dann, wenn man nach einer Modenschau voll beladen mit Blumenstrauß (ich liebe es trotz allem noch immer, Blumen zu bekommen!), Koffer und Tasche am Bahnsteig stand und nicht ein einziger Mann sich auch nur mal bequemte, zu fragen, ob man denn eventuell Hilfe benötigen würde… vergessen die unfreundlichen Rentner, die einem die Blumen mit den ausgefahrenen Ellenbogen aus dem Arm schlagen, nur um die ersten im Zug zu sein, bevor auch nur irgendjemand die Chance ergreifen könnte, auszusteigen. Ja, so ein Zug hält ja gefühlte zwei Sekunden – wenn überhaupt – am Bahnhof und da muss man seine Schäfchen ins Trockene bringen. Koste es, was es wolle. Ich bin für so etwas zu lange auf Reisen.

Ich liebe meinen Job für ANITA. Und ich kann mich völlig entspannt der Situation hingeben und einfach sicher sein: Irgendwie komme ich schon ans Ziel. Ohne Hektik und mit viel Freundlichkeit und Empathie. Und wenn ich mal im Rentenalter bin – ich hoffe doch sehr – dann erinnere ich mich zurück und benehme mich anständig und nett. So wie es sein sollte. Der letzte Abend im Hotel in Zittau ist schlimm. Ich bin traurig und melancholisch. Dies war meine letzte Modenschau. Und meine letzte Nacht in einer fremden Stadt. Und mein letztes Abendessen im Hotel. Ich rufe in Brannenburg bei ANITA an. Und bitte doch ernsthaft darum, mich nicht zu vergessen. Mann! Steffi! Es ist doch alles gut! Niemand hat dir bisher den Kopf abgerissen. Und voraussichtlich wird das auch niemand in naher Zukunft tun. Und es wäre auch unverantwortlich, noch eine Modenschau zu machen. Erstens passe ich nicht mehr in die Bademode. Zweitens ist das dann doch langsam ganz schön anstrengend. Also genieße ich die Rückfahrt am nächsten Morgen und komme wieder in Hannover an. Kaputt aber glücklich. Jetzt kann ich nur noch schwanger sein! Mein Herz bleibt kurz stehen und dann schlägt es weiter, als ob nichts geschehen ist. Aber alles ist anders. Und es gibt nun kein Zurück mehr.

Steffi Berke

 

Weihnachten 2015

Das zweite Weihnachtsfest ohne meine Mutter. Das erste mit dem neuen Erdenbürger in mir.

Ich bestehe darauf, dass Leon und sein Vater einen Baum kaufen… Und egal, wie schlimm er aussehen wird: Mein großer Sohn darf bestimmen, welcher Baum es sein wird! 2008 bestand ich das erste Mal darauf, einen eigenen Baum zu kaufen. Anfang Dezember! Ich habe ihn aufgestellt, geschmückt und mir vorgestellt, dass das eventuell das letzte Weihnachten sein wird, bevor ich tot bin. Das war zwar erschreckend, aber ich wusste genau, was ich tat! Und seitdem bedeutet mir der Weihnachtsbaum sehr viel! Bevor ich krank wurde, war Weihnachten eben Weihnachten. Der Baum wurde bei meinen Eltern aufgestellt. Meine Mutter wollte in die Kirche, mein Vater auf gar keinen Fall. Ich wollte abends weg, durfte aber nie. Na toll. Erschwerend kam hinzu, dass meine Oma genau an Heiligabend Geburtstag hatte. Also waren die Weihnachtsfeste seit Jahren gleich. Papa holte Oma aus dem Harz. Wir kommen aus Hannover und alle schliefen bis zum zweiten Feiertag dort. Mein Vater kaufte den Baum und schmückte, meine Mutter kochte und hatte eigentlich gar keine Lust, die Schwiegermutter so lange im Haus zu haben. Die Stimmung schwankte zwischen freudiger Erwartung, Stress und Langeweile! 2008 bekamen meine Eltern tatsächlich mal „lustige“ Weihnachtspost. Es tat allen ja sooo leid, dass die arme Stefanie so eine furchtbare Krankheit hat und alle wünschten meinen Eltern viel Kraft… Hallo??? NIEMAND von diesen Leuten hat MIR eine Karte geschickt, geschweige denn MIR viel Kraft gewünscht! Natürlich haben die Leute Angst davor, überhaupt über so ein kritisches Lebensdrama nachzudenken und wahrscheinlich war es schon das Höchste der Gefühle, meinen Eltern herzliches Beileid zu wünschen, dass ihre doch immer so perfekte Tochter die A*****karte gezogen hat. Na ja, sehen wir also jetzt im Nachhinein mal darüber hinweg! Nachdem ich also alles überstanden hatte war, habe ich mir den Spaß gemacht, bei der großen Geburtstagsfeier 2010 (60, 65 & 40 Jahre verheiratet) meiner Eltern in einem schulterfreien roten Kleid aufzutauchen. Ich hatte ja mittlerweile gar keine Brüste mehr und es erforderte doch einiges Tricksen, damit es aussah, als sei nichts gewesen… So wurden die beiden Epithesen und der trägerlose BH mit Teppichklebeband so fixiert, dass nichts verrutschen konnte. OMG, was müssen Hollywoodstars bloß bei jedem Auftritt auf dem roten Teppich ertragen, um einigermaßen passabel auszusehen? Aber die Mühe hatte sich gelohnt: Die geladene Verwandtschaft starrte den ganzen Abend „unauffällig“ auf meine Oberweite…. Und sie konnte nichts Spektakuläres sehen! Herrlich! Und das Thema Krebs wurde krampfhaft vermieden… Manchmal habe ich Mitleid mit Menschen, die so oberflächlich sind, solange sie selbst von nichts „betroffen“ sind. Ich gehöre nicht zu denen. Ich bin anders! Und darum ist unser Weihnachten auch anders! Diesmal kommen alle zu uns. Mein Vater mit Freundin. Mein Bruder. Mein Ex-Mann. Ich schmücke den Baum und ich koche gar nicht! Die Gans und die Ente werden mit Rotkohl und Klößen direkt aus dem Zoo Hannover geliefert – herrlich, wenn man an den Feiertagen auf so großartigen Service zurückgreifen kann!!! Das bestellte Bratapfeleis schmeckt fürchterlich, aber es ist ein grossartiger Abend mit meiner Familie. Und dem wunderschönsten Baum der Welt!

 

 

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