Etwa jede achte bis zehnte Frau macht in ihrem Leben irgendwann Bekanntschaft mit der Diagnose Brustkrebs. Völlig losgelöst davon, ob sie genetisch vorbelastet ist oder nicht. Sobald es in der Familie einen oder mehrere Fälle von Brust- und/oder Eierstockkrebs gibt, ist ein Gentest empfehlenswert. Auch, wenn Ihr selbst nicht daran erkrankt seid.

Hollywoodstar Angelina Jolie ist wohl eine der bekanntesten Frauen, die sich vorsorglich einer Entfernung ihrer Brüste (Mastektomie) und Eierstöcke unterzog. Dadurch kam sie früher als von der Natur aus vorgesehen in die Wechseljahre. Doch die Gewissheit, so ihr genetisches Risiko, irgendwann an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken, deutlich zu reduzieren, erklärt den tapferen Schritt und macht auch anderen Frauen Mut. Denn statistisch gesehen sind fünf bis zehn von 100 Frauen mit Brustkrebs familiär vorbelastet. Meist liegt der Grund in einer Genveränderung (Mutation) der Gene BRCA1 und BRCA2 (BRCA steht dabei für BReast CAncer, also Brustkrebs). Beide können zusätzlich das Risiko für Eierstockkrebs erhöhen.

 

Wann ein Test auf BRCA sinnvoll ist

Auch wenn aktuell nicht die lebensverändernde Diagnose Brustkrebs den Alltag bestimmt, kann ein vorsorglicher Gentest Aufklärung, Ruhe und ein gewisses Gefühl von Sicherheit geben. Kommt Brust- und Eierstockkrebs in Deiner Familie häufig oder in jungen Jahren vor, ist ein Gentest empfehlenswert. Denn in Deutschland erkranken 65 bis 75 Prozent der BRCA1- und 45 bis 65 Prozent der BRCA2-Genträgerinnen bis zu ihrem 70. Lebensjahr an Brustkrebs. Häufig naht die Diagnose dann bereits im Alter um die 40, also rund 20 Jahre früher als bei Frauen ohne Genmutation. Nicht nur das, auch das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, steigt. Etwa 40 bis 50 Prozent der Trägerinnen des BRCA1 bekommen vor ihrem 70. Lebensjahr Eierstockkrebs. Bei BRCA2-Trägerinnen liegt das Risiko bei 10 bis 20 Prozent.

 

Keine Angst vorm Gentest

So dramatisch all diese Zahlen und Daten klingen, so hilfreich sind sie trotzdem. Außerdem muss die Entscheidung für den Test und den damit verbundenen Konsequenzen nicht von heute auf morgen getroffen werden. Zunächst einmal sollte ein Beratungsgespräch in einem der bundesweit 15 Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs (www.krebshilfe.de/brustkrebszentren.html) oder in einem qualifizierten, humangenetischen Zentrum vereinbart werden. Wenn der Termin steht, geh am besten mit Deinem Partner oder einem Menschen dorthin, der Dir sehr vertraut ist und Dich entsprechend emotional und mental unterstützt.

 

Eine Blutabnahme bringt Klarheit

Wenn es dann soweit ist, wird Euch in einem Zentrum Blut abgenommen und auf mögliche genetische Faktoren untersucht. Die Kosten dafür werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Es lohnt sich, im Beratungsgespräch und bei Deiner Krankenkasse danach zu fragen. Jetzt heißt es geduldig sein: Es kann bis zu einem Monat dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Nehmt zur Ergebnisbesprechung wieder Euren Partner oder enge Vertraute mit. Helfen können auch Gespräche mit einem ausgebildeten Psycho-Onkologen. Infos dazu gibt es bei den Zentren, der Deutschen Krebshilfe (www.krebshilfe.de) und beim BRCA-Netzwerk (www.brca-netzwerk.de). Hab keine Angst vor dem Ergebnis und einem möglichen Eingriff: Heute werden Genträgerinnen sehr engmaschig medizinisch kontrolliert. Die operativen Eingriffe werden von Fachzentren durchgeführt und das Endergebnis ist sehr gut.

 

Tagebuch zur Entscheidungsfindung 

Die erste Frau in Großbritannien, die den Schritt gewagt hat, sich operieren zu lassen, um eine spätere Krebserkrankung vorzubeugen, war Wendy Watson. Nach ihrer OP gründete sie die National Hereditary Breast Cancer Helpline, eine britische Hotline zur Aufklärung über erblich bedingten Brustkrebs. Auch ihre Tochter, Becky Measures, wurde positiv auf die Genmutation getestet und hat sich einer Operation unterzogen. Mutter und Tochter betreiben die Hotline heute gemeinsam. Anita care sponsert ein Tagebuch für die National Hereditary Breast Cancer Helpline (kurz NHBCH). Mit dem Tagebuch will die Hilfsorganisation betroffenen Frauen helfen, bei denen der Gendefekt frisch diagnostiziert wurde. Es soll nicht nur Mut machen, sondern auch Gelegenheit geben, den eigenen Weg der Entscheidungsfindung aufzuzeichnen und so die Diagnose, dass sie einen Gendefekt in sich tragen, zu verarbeiten. Im Tagebuch gibt’s berührende Geschichten von zwölf Frauen. Es erscheint im Oktober zum internationalen „Breast Cancer Awareness Month“.

 

Ein Blick hinter die ANITA-Kulissen 

Das Tagebuch enthält Fotos, die bei einem Shooting mit betroffenen Frauen in der Anita-Zentrale in Brannenburg und in Kufstein entstanden sind. Dazu gibt es im Tagebuch genug Platz für eigene Stichworte, Gedanken und Gefühle. Die National Hereditary Breast Cancer Helpline ist für viele verwirrte, verängstigte und gefährdete Frauen lebenswichtig. Anita freut sich, die Arbeit des Teams unterstützen zu dürfen. Mehr Infos zum Shooting findet ihr hier.

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