Es war der 16. April 1998, als sich mein Leben und das meiner Familie schlagartig verändern sollte. Diagnose Brustkrebs! Am 20.4.98 wurde meine linke Brust amputiert.

 

Ich heiße Anna, war damals 37 Jahre alt und meine Tochter wurde am Entlassungstag 7 Jahre alt und unser Sohn war damals 11 Jahre. Man befindet sich in einem Schockzustand, ich konnte gar nicht mehr sagen, wer mich im Krankenhaus besuchte, außer der Familie und meine Freundin. Aber es kamen keine Tränen, erst als ich am ersten Morgen zuhause im Bett wach wurde und mein Mann mich in den Arm nahm. Man ist mit allem völlig überfordert. Wie soll man den Kindern erklären, was mit mir los ist? Vor allem, da mein Vater 2 Jahre zuvor plötzlich an Krebs verstorben ist. Die Kinder verbinden das Wort Krebs zugleich mit Tod. Meine Mama hatte natürlich auch sehr schwer damit zu kämpfen, da sie sich auch von dem Schicksalsschlag noch lange nicht erholt hatte.

 

Das erste Jahr nach der Krebsdiagnose

Es folgte dann die Chemotherapie, die ein Alptraum war. Als ich am 11.11.98 die letzte Chemo bekommen habe, war ich sehr glücklich darüber. Es war ein sehr hartes und schwieriges Jahr. Ich wollte niemandem zur Last fallen. Meine Traurigkeit habe ich versucht zu verbergen, damit die Kinder nicht noch mehr darunter leiden. Natürlich auch gegenüber meinem Mann. Er war immer an meiner Seite und beteuerte, dass er mich liebt, egal ob ich eine oder zwei Brüste hätte. Das war sehr lieb und ich wusste, dass er das auch so meinte.

 

Der Rückschlag

Nach diesem sehr anstrengendem Jahr dachten wir, dass es nun wieder in normalen Bahnen verläuft. Doch nach einem Jahr tastete ich einen Knoten an der Narbe und nach Untersuchungen und Histologie war klar, dass es sich um ein Rezidiv handelte. Wir waren schockiert, ich war am Boden zerstört, dass nach so kurzer Zeit sich schon wieder etwas Neues gebildet hatte. Nun bekam ich Bestrahlungen und Antihormontherapie. Und so ging es alle paar Jahre mit Rezidiven, sowie Bestrahlungen weiter, wie unter der Achsel, und 2008 dann in den Knochen, am Brustbein, das waren höllische Schmerzen und immer wieder an verschiedenen Wirbeln. Meine Kinder sind praktisch mit dem Thema Krebs groß geworden, was sie sicherlich auch gestärkt hat, da ich selbst auch versuchte, Ihnen ein Vorbild zu sein und immer noch bin. An vielen Tagen gelingt es natürlich nicht, weil man einfach nur müde und kaputt ist. Aber es gibt auch gute Tage. Und diese Tage nutzte ich, um etwas zu unternehmen, wie wandern zu gehen oder ins Fitness Studio.
Leider ging es mir 2015 sehr schlecht, ich habe stark abgenommen, war körperlich total fertig, konnte schlecht essen und hatte einen extrem starken Husten. Auch das Atmen fiel mir oft schwer, vor allem, wenn ich mich etwas anstrengen musste. Es war klar, dass etwas absolut nicht stimmte. Am CT wurde an der Lunge jedoch nie etwas festgestellt. Das ging ½ Jahr lang so und nach zwei Bronchoskopien war jedoch klar, dass in der Schleimhaut der Lunge Metastasen sind und zugleich wurde ½ Liter Wasser aus der Lunge entnommen. Diese Prozedur musste ich sehr oft über mich ergehen lassen. Diese Diagnose zog mir und meiner Familie die Füße unter dem Boden weg. Mein Vater und auch der Schwiegervater starben an Lungenkrebs! Noch nie zuvor hatte ich solche Angst, dass es nun zu Ende geht. 2016 musste nun wieder eine Chemotherapie durchgeführt werden. Vorher wurde noch ein Wirbel bestrahlt, der ebenfalls befallen war. Wenigstens war die Übelkeit nicht ganz so schlimm, als vor 19 Jahren, aber es war trotzdem wahnsinnig anstrengend. Als ich auch das überstanden hatte, erklärten mir die Ärzte, dass die Krankheit nun sehr weit fortgeschritten ist und nur durch ständige Medikation versucht werden kann, es so lange wie möglich einzudämmen. Aber die Chemotherapie hatte gut angeschlagen, der Husten ist kaum mehr da. 2017 kam die nächste schlimme Nachricht. Bei einer Nachuntersuchung wurden an der Leber Metastasen gesehen. Nun musste man überlegen, ob eine OP oder Bestrahlungen in Frage kommen. Ich entschied mich für die Bestrahlung, da ich keine Narkose, Krankenhaus und OP mit Schmerzen verbunden, wollte. Während all dieser schwierigen Zeiten, zwischen Hoffen und Bangen, versuchte ich immer, mein Leben durch regelmäßigen Sport und Unternehmungen mit Freunden lebenswert zu machen. Ich gehe sehr gerne wandern, spazieren und auch Radfahren.

Niemals aufgeben!

Die Natur ist sehr wichtig und gibt mir immer wieder die Kraft, um das alles auszuhalten und weiter zu machen. Das war nicht immer leicht, aber ich habe es immer wieder versucht. Ich möchte mit meinen Blogbeiträgen anderen betroffenen Frauen Mut machen. Denn das was ich bisher geschafft habe, können Sie auch schaffen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so eine starke Frau bin und so viel aushalten kann. Aber die vielen Komplimente von Freunden, Bekannten und Familie bestätigen, dass ich diese Kraft habe. Nun würde ich sehr gerne mit meiner Freundin Geli andere betroffene Frauen kennenlernen, um gemeinsam etwas zu unternehmen, wie spazieren, wandern, Kaffee trinken und quatschen.

Wir haben, gemeinsam mit Anita Care eine Facebook-Gruppe mit dem Namen “Das Glück liegt im Augenblick” gegründet und freuen uns über jeden, der Lust hat, sich mit uns auszutauschen, Sorgen zu teilen und gemeinsam das Leben zu genießen und schöne Unternehmungen zu starten.

Es wäre sehr schön, wenn etwas zustande kommt.
Eure Anna

 

Hier geht’s zur Gruppe: https://www.facebook.com/groups/227047214707591/

P.S.: Keine Sorgen, die Gruppe ist “geschlossen” und wir werden darauf achten, dass nur Mitglieder aufgenommen werden, die es ernst meinen! Das ist uns sehr wichtig.

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