Mit dem Körper anfreunden

Neu mit dem Körper anfreunden

Brustkrebs ist in besonderer Weise mit einer Veränderung des eigenen Körperbildes verbunden. Nach einer Brust-OP oder einer Brustkrebs-Therapie ist der Anblick im Spiegel oft anders und auch sensorische Empfindungen bei Bewegungen und Berührungen sind für länger oder immer verändert.

So ist es praktisch unvermeidbar, dass die betroffene Brust in den Fokus der
Aufmerksamkeit der erkrankten Frau gerät. Hinzu kommt, dass auch Nebenwirkungen der Therapien, Schmerzen und Erschöpfung nicht nur innerlich beeinflussen, sondern auch Folgen auf das gesamte, teils auch für Außenstehende sichtbare Körperbild haben. Dies alles trägt dazu bei, dass viele betroffene Frauen für den eigenen Körper eine neue, bisher oft unbekannte Aufmerksamkeit entwickeln.

Dabei sind die Wahrnehmung des eigenen Körpers sowie die persönliche Einstellung zur eigenen Brust bei jedem Menschen individuell und grundverschieden. Das eigene Körperbild ist Resultat verschiedenster Informationen, die wir im Laufe unseres Lebens über den Körper oder spezifische Körperteile erhalten. 

Dabei beeinflussen unter anderem persönliche Erfahrungen und Erinnerungen die Einstellungen zu unserer Brust. Daneben prägen auch Normen und Werte der Gesellschaft unser Körperbild. So gilt die weibliche Brust als Symbol für Weiblichkeit und Mutterschaft und hat zudem einen wichtigen Stellenwert in der Sexualität.

Ein allgemeingültiges Rezept, wie man mit dem veränderten Körperbild umgehen soll, gibt es nicht.

So individuell wie die Bedeutung, die Betroffene den Veränderungen im und am Körper durch Brustkrebs
zuschreiben, sind auch die Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Befindlichkeit, die diese Krankheit und ihre Folgeerscheinungen haben können. Auf der einen Seite gibt es Patientinnen, bei denen die Gesundheit absolute Priorität hat. Bei ihnen ist oft zu beobachten, dass ihr Körperkonzept trotz aller Veränderungen ungestört ist oder die Thematik zumindest mit der Zeit an Bedeutung verliert.

Auf der anderen Seite gibt es Frauen, für die die Brust- OP ein ausgesprochen einschneidendes Erlebnis darstellt, das einen längeren Anpassungsprozess benötigt. Zudem wird durch das Körperbild die Krankheitsverarbeitung und letztendlich unter Umständen die Lebensqualität beeinflusst. Auch Partner von Betroffenen können manchmal Probleme im Umgang mit den neuen Gegebenheiten zeigen. Dies kann zu Schwierigkeiten in der partnerschaftlichen Beziehung führen.

Es braucht Zeit, Akzeptanz und Hoffnung

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Ein allgemein gültiges Rezept, wie man mit dem veränderten Körperbild umgehen soll, gibt es nicht. Klar ist, es braucht Zeit, den Körper mit seinen Veränderungen neu kennen zu lernen und so anzunehmen, wie er ist. Es braucht Akzeptanz um annehmen zu können, dass die Veränderung von Dauer sein wird.

Schließlich hilft Hoffnung, um zuversichtlich zu sein, dass man es schaffen wird, mit dem Neuen umzugehen. Positiv kann auch sein, sich selbst etwas Gutes zu tun, sich zu bewegen und last but not least, wieder zurück in den bisherigen
Alltag zu finden.

Wie schon zuvor erwähnt, helfen Gespräche – sei es der Austausch mit anderen Betroffenen, sei es das Gespräch mit Fachpersonen oder Angehörigen. Wie wichtig Gespräche und Informationen sind, zeigt die Aussage, die eine Patientin mir gegenüber machte:

„Es wurde nie gesagt, wie man sich danach fühlt. Es hätte mir aber geholfen, da ich dann ungefähr gewusst hätte, was auf mich zukommen könnte.“

Je nach persönlicher Ausprägung kann es manchmal sogar sinnvoll sein, Betroffene zum Trauern über den Verlust der körperlichen Unversehrtheit zu
ermutigen. Trauer kann, z. B. mithilfe von Abschiedsritualen, ein wichtiger Teil des Bewältigungsprozesses sein. Auf diese Weise kann das Gefühl der Weiblichkeit häufig gestärkt und der Körper in seiner veränderten Form akzeptiert werden.