Selbst ist die Frau! Ok, das Motto klingt etwas abgedroschen – passt heute aber noch genauso wie damals. Oder vielleicht sogar noch besser? Die Straßen, das Netz, ja selbst unsere Fashion ist momentan vom neuen Feminismus geprägt. Ob politisches Statement oder Appell zu mehr Frauenpower: Die Mode setzt aufs Motto. Schon vergangenes Jahr zeichnete sich der Trend zur gewagten Botschaft auf dem Busen ab: Die Modedesignerin Maria Grazia Chiuri wurde – übrigens als erste Frau – Creative Director beim französischen Modehaus Dior. Logisch, dass die Modewelt auf die ersten Kreationen gespannt war. Auf der Fashion Week debütierte Chiuri mit weißen schlichten T-Shirts mit dem Aufdruck „We Should All Be Feminists“. Dieses berühmte Zitat stammt von der Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie aus Nigeria.

Es dauerte nicht lange und schon posierte Rihanna in Dior und auch Schauspielerin Jennifer Lawrence (Ihr kennt sie aus „Die Tribute von Panem“) setzte ein Statement mit diesem Shirt. Inzwischen setzen auch deutsche Marken ein Statement in Sachen Frauenpower: Auf der Berliner Fashion Week im Januar waren Shirts mit Botschaft beliebt: Dorothee Schumacher zeigte in ihrer Kollektion Oberteile mit der Aufschrift „Support the girls“ oder „I want to marry a feminist“. Inzwischen findet Ihr feministische Fashion auch bei den bekannten Modeketten.

Doch nicht nur optisch ist die Vorliebe für den Feminismus eine coole Angelegenheit: Immer mehr Frauen gründen Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen und unter die Arme zu greifen. Sie sind sich selbst die starke Schulter zum Anlehnen. Dabei ist der Feminismus etwas moderner geworden und nicht mehr ganz so Alice Schwarzer – junge Frauen um die 30 erkennen das Potenzial ihrer Kolleginnen und Freundinnen. Zusammen sind wir stärker – und das auch, wenn es um Tabuthemen geht, die uns Frauen betreffen: Wechseljahre, Brustkrebs, Intimpflege, Menstruation – all diese Themen tauchen in den letzten Wochen vermehrt in den Medien auf, Blogger schreiben nicht mehr über die neusten Lippenstiftfarben, sondern über die besten Mittel gegen Periodenschmerz oder berichten ganz persönlich von ihren PMS-Anwandlungen. Viele Frauen zeigen sich inzwischen solidarischer miteinander – nicht mehr lästerlich, nicht mehr neidisch. Nicht mehr wertend, sondern anerkennend. So soll es weitergehen! Wenn wir es nun noch schaffen nicht nur den anderen Damen um uns herum Komplimente zu machen, sondern auch mit uns selbst nachsichtiger, freundlicher, wohlwollender und fürsorglicher umzugehen, dann haben wir viel gewonnen.

Um dem Ziel, sich selbst eine gute Freundin zu sein, näherzukommen, sollten wir vor allem eins nicht mehr tun: Uns mit anderen zu vergleichen. Ja, die Models in den Magazinen sehen super aus. Sollen sie doch, das ist ihr Job. Dafür stehen sie täglich Stunden im Sportstudio und essen monatelang keine Pizza. Ja, die beste Freundin hat vielleicht weniger Falten als wir – sie ist aber auch fünf Jahre jünger und hat zwei Kinder weniger. Manchmal müssen wir es auch einfach ertragen, dass wir andere Frauen schöner, schlanker, klüger, charismatischer und witziger finden als uns selbst. Wir haben dafür andere Eigenschaften, die wir an uns schätzen können. Diese müssen wir uns bewusst machen, sie hegen und pflegen. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: Es ist wirklich so, dass wir uns selbst viel kritischer betrachten als unser Gegenüber. Das ist das Traurige an der ganzen Sachen mit uns Ladies: Wir neigen dazu, andere Menschen mit Samthandschuhen anzufassen und bei uns selbst mit der Drahtbürste ranzugehen. Kein Wunder, dass das weh tut. Nutzen wir die neue kollektive Frauenpower ganz individuell und persönlich. Lasst uns einen neuen Weg einschlagen! Viele von Euch haben sich bestimmt über Jahre hinweg immer wieder gemeine Dinge gedacht, wenn sie in den Spiegel schauten, waren nicht nett zu sich und überkritisch. Was hat Euch das gebracht, außer mieser Stimmung und Frust? Versuchen wir es doch mal anders: Ab sofort machen wir uns selbst Komplimente, denken positiv und zelebrieren unsere Stärken. Dann kann’s nur besser werden. „Support the girls“, aber zuerst supporte Dich! Go girl!

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