Eigentlich weiß ich, dass man nach einer harten Langdistanz eine Pause braucht. Wer mich kennt, dem ist bewusst, dass „Pause“ ein sehr dehnbarer Begriff ist. Die vergangenen Wochen waren entsprechend intensiv geprägt von Wettkämpfen, spontanen Entscheidungen und neuen Erfahrungen.

Nachdem ich das letzte Mal von dem Rennen in Swansea, Wales berichtet habe, bin ich weiter ins Trainingslager nach Bruneck gereist. Dort habe ich mich gezielt auf den Ironman Kalmar in Schweden vorbereitet. Berge, Sonnenschein und ideale Bedingungen ich war froh, in diesen heißen Wochen nicht in der Großstadt München zu trainieren. Neben dem Radfahren in den Bergen, bei dem man lediglich auf die zahlreichen Sommertouristen aufpassen muss, lässt sich das Schwimmen und Laufen perfekt umsetzen. Das Freibad vor Ort hat mehrere geleinte 50-Meter-Bahnen und nicht weit entfernt gibt es eine rund um die Uhr nutzbare Laufbahn, sowie ein Fitnessstudio der ansässigen Athleten. Eine willkommene Alternative zum Training in München und der ideale Rahmen für den letzten Feinschliff.

Meine Mama hat mich dieses Jahr wieder nach Kalmar begleitet. Wir waren letztes Jahr ebenfalls gemeinsam dort, daher kannten wir die wichtigsten Abläufe schon – von der Radstrecke bis zu den besten Cafés für guten Kaffee und Kanelbullar (Zimtschnecken). Das machte die Tage vor dem Rennen deutlich entspannter.

Der Ironman Kalmar war erneut ein Pro-Series-Rennen. Daher waren einige Hochkaräter wie Weltmeisterin Laura Philipp und Vorjahressiegerin Katrine Græsbøll Christensen am Start. Nach meinem 6. Platz im Vorjahr kannte ich die Anforderungen der Strecke. Auch wenn ich sehr gut vorbereitet war und mich körperlich und mental extrem wohlgefühlt habe, kommt es manchmal anders, als man es sich vorstellt.

 

 

Das Schwimmen verlief zunächst nach Plan: In der ersten Gruppe erreichte ich nach knapp 53 Minuten die erste Wechselzone. Eine halbe Stunde später auf dem Rad wurde mir klar, dass dieser Tag ein sehr schwieriger Kampf werden wird. Es war das erste Mal, dass ich mich so früh im Rennen wirklich überwinden musste, weiterzumachen. Windböen bis zu 40km/h machten allein das Halten vom Lenker zu einer Herausforderung, um ja nicht über die Straße geweht zu werden. An den Straßenrändern saßen unzählige Zuschauer, die Einheimischen standen vor ihren Häusern und haben uns angefeuert. Aber ich konnte die ganze Energie und die Stimmung dieses Mal einfach nicht genießen.

Nach 9 Stunden, 5 Minuten und 50 Sekunden war ich endlich im Ziel.
Auf die Frage des Moderators Paul Kaye, der viele Ironman Rennen in Europa begleitet, wie es mir gehe, antwortete ich nur: „Das war die härteste Langdistanz, die ich bisher gemacht habe.“ Mit dem Ergebnis, der Endzeit und meinen Wattwerten kann im Großen und Ganzen zufrieden sein, auch wenn der Tag mich mental stark gefordert hat. Ein paar Wochen später weiß ich zwar, dass es nicht das gewesen ist, wozu ich fähig hätte sein können, aber ich bin glücklich, nicht aufgegeben und das Beste aus dem Tag gemacht zu haben.

Es tut weh, mein Ziel, mich dieses Jahr für Hawaii zu qualifizieren, nicht erreicht zu haben. Aber ich spüre auch Erleichterung, nicht noch eine Langdistanz dieses Jahr zu machen, sondern die restliche Saison „entspannter“ angehen zu können.

Und genau das habe ich versucht in den Wochen danach mitzunehmen. Da Hawaii in meinen ursprünglichen Überlegungen eine zentrale Rolle gespielt hatte, musste ich den Plan für die zweite Saisonhälfte neu ausrichten. Ein Plan B existierte zwar, war aber noch wenig konkret. Dementsprechend brauchte ich ein paar Tage mich auf die neue Situation einzulassen und mich neu zu sortieren.

Also einmal alles auf null und schauen was die restliche Saison bringt. Eine Woche nach Kalmar bin ich mein erstes Radrennen gefahren: Kufsteinerland Radmarathon mit 120 Kilometern und 1.800 Höhenmetern – ein richtig tolles Erlebnis. Ein Rennen, an das ich absolut keine Erwartungen hatte und außerdem noch nicht vollständig erholt war.
Trotzdem konnte ich es nicht lassen nur „mitzufahren“, sondern habe mich am ersten Anstieg direkt in der Führungsgruppe der Frauen wiedergefunden. Der zweite Anstieg hat mich das deutlich spüren lassen und ich musste um jeden Meter kämpfen. Am Ende bin ich als 8. Frau ins Ziel gefahren, mit der klaren Erkenntnis: Das hat richtig Spaß gemacht und war bestimmt nicht mein letztes Radrennen!

Um die Triathlon-Saison abzuschließen, stand noch ein letztes Rennen für die Pro-Series-Wertung an, der Ironman 70.3 in Zell am See. Nach der langen und intensiven Saison mit vielen Rennen war es das Ziel, einfach Spaß zu haben und möglichst viel von der Atmosphäre aufzusaugen. Und das habe ich gemacht! Es waren so viele Leute vor Ort, die mich angefeuert, meinen Namen gerufen und mich zum Lächeln gebracht haben. Mit dem 12. Platz gab es ein paar letzte Punkte für die Pro Series und damit liege ich aktuell auf Platz 18 des Rankings.

Und da drei Rennen in drei Wochen nicht genug sind, ging es für mich spontan mit dem Ligateam des MRRC zum Finale der 2. Bundesliga nach Frankfurt. Als Ersatz für eine ausgefallene Athletin bin ich eingesprungen und konnte mir dort zum Abschluss der Saison den 3. Platz sichern. Es macht immer wieder Spaß, auf der kurzen Distanz an seine Grenzen zu gehen und den jungen Mädels zu zeigen, was mit Anfang 30 noch möglich ist. ;-).

 

Für die WM-Quali hat es dieses Jahr nicht gereicht, doch ich konnte viele Erfahrungen mitnehmen und mich in einigen der stärksten Startfeldern der Triathlon Welt messen. Und eins ist sicher - ich werde wiederkommen. Erste Überlegungen für die Rennplanung 2027 laufen bereits und die Vorfreude steigt schon wieder.

Meine Triathlon-Saison 2026 ist somit vorbei, das sportliche Jahr aber noch nicht. Da der Spätsommer und Herbst sicher ein paar schöne und warme Tage bringen, wollte ich noch keine Saisonpause einlegen. Die Form lässt es zu, dass ich mich noch etwas umsehe und meine Fitness für ein paar Dinge abseits des Triathlons nutze. Daher starte ich an dem Wochenende vom 9. bis 11. Oktober bei der Tour de Tirol – einem dreitägigen Trailrun-Event mit der Option auf eine Gesamtwertung über die drei Tage. 10 km, 42 km und 23 km gilt es zu bewältigen, dazu ein „paar“ Höhenmeter und neue Erfahrungen inklusive.
Ich wollte schon sehr lange einen Trailrun machen, besonders mehrtägige Rennen haben mich ziemlich fasziniert. Selbst, wenn ich die Ausdauer dafür mitbringe – eine Herausforderung wird es auf jeden Fall und ich freue mich darauf! Danach gibt es noch ein Radrennen auf dem Gravelbike (Ochsenkopf Gravel). Auch darauf bin ich sehr gespannt.

Aktuell war ich für ein paar Tage im Zillertal um mir ein paar Trails live anzuschauen und mich auf das vorzubereiten, was mich dabei erwartet. Das mit den Stöcken, sie bei Bedarf schnell aus dem Rucksack zu holen und zusammenzustecken und sie auch wieder wegzupacken, das muss ich bis in zwei Wochen auf jeden Fall noch üben…

In diesem Sinne - Servus und bis bald,
Johanna 

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